All-on-4-Implantate
Vollständige Zahnlosigkeit kann nicht nur das Erscheinungsbild, sondern auch Ernährung, Kaukomfort, Sprache und Lebensqualität beeinflussen. Das All-on-4-Konzept bietet ausgewählten Patienten die Möglichkeit, einen zahnlosen oder nicht erhaltungsfähigen Kiefer mit einer festsitzenden Versorgung auf vier Implantaten zu rehabilitieren.
Was ist eine All-on-4-Implantatbehandlung?
Beim All-on-4-Konzept werden vier Implantate strategisch in einem zahnlosen Kiefer positioniert. Zwei Implantate werden im vorderen Bereich meist gerade eingesetzt, während die beiden hinteren Implantate häufig in einem bestimmten Winkel platziert werden.
Durch die schräge Positionierung der hinteren Implantate kann vorhandener Knochen besser genutzt und der Abstand zu anatomischen Strukturen wie Kieferhöhle oder Nervenkanal berücksichtigt werden.
Bei geeigneter Primärstabilität kann häufig noch am Tag der Implantation eine festsitzende provisorische Versorgung eingesetzt werden. Die endgültige Versorgung erfolgt nach der Einheilphase.
Festsitzende provisorische Zähne am selben Tag
Ein wesentlicher Vorteil dieses Konzeptes besteht darin, dass geeignete Patienten während der Einheilzeit nicht vollständig zahnlos bleiben müssen.
Nach Implantation können provisorische festsitzende Zähne eingesetzt werden. Sie werden so gestaltet, dass die Implantate während der Heilungsphase möglichst kontrolliert belastet werden.
Die endgültige Versorgung wird erst nach erfolgreicher Osseointegration hergestellt.
Digitale Planung
Vor dem Eingriff werden Kieferknochen und anatomische Strukturen dreidimensional beurteilt. Mit digitaler Planung können Position, Winkel und Länge der Implantate individuell festgelegt werden.
Diese Planung ist besonders wichtig, um vorhandenen Knochen möglichst effizient zu nutzen und die prothetische Versorgung bereits vor dem chirurgischen Eingriff zu berücksichtigen.
Für wen eignet sich All-on-4?
Die Behandlung kann für Patienten geeignet sein, die vollständig zahnlos sind oder deren verbliebene Zähne aufgrund ihres Zustands nicht erhalten werden können.
Auch bei reduziertem Knochenangebot im hinteren Kieferbereich kann das Konzept in bestimmten Fällen Vorteile bieten. Ob dadurch zusätzliche Knochenaufbauverfahren vermieden werden können, muss jedoch immer individuell anhand der dreidimensionalen Bildgebung beurteilt werden.
Voraussetzungen sind unter anderem ein geeigneter allgemeiner Gesundheitszustand und ausreichender Knochen in den Bereichen, in denen die Implantate stabil verankert werden sollen.
Ablauf einer All-on-4-Behandlung
- Untersuchung und digitale Planung: Klinische Untersuchung sowie dreidimensionale Beurteilung des Kieferknochens.
- Chirurgischer Eingriff: Nicht erhaltungsfähige Zähne werden bei Bedarf entfernt und vier Implantate entsprechend der Planung eingesetzt.
- Provisorische Versorgung: Bei ausreichender Implantatstabilität wird eine festsitzende provisorische Versorgung eingesetzt.
- Definitive Versorgung: Nach der Einheilphase wird die endgültige individuell angefertigte Prothese eingesetzt.
Vorteile des All-on-4-Konzeptes
- Festsitzende provisorische Versorgung kann in geeigneten Fällen am selben Tag möglich sein.
- Nur vier Implantate dienen als Basis für eine vollständige Kieferversorgung.
- Vorhandener Knochen kann durch strategische Implantatpositionen effizient genutzt werden.
- Eine gaumenfreie Versorgung kann gegenüber klassischen Vollprothesen den Komfort verbessern.
- Stabiler Zahnersatz kann Kau- und Sprechfunktion unterstützen.
- Die Behandlung wird digital und individuell geplant.
Wie lange dauert die Einheilung?
Die biologische Einheilung der Implantate dauert üblicherweise mehrere Monate. Während dieser Zeit wird die provisorische Versorgung entsprechend den ärztlichen Empfehlungen belastet.
Nach erfolgreicher Osseointegration erfolgt die Herstellung der endgültigen Versorgung.
Ein wesentlicher Unterschied zwischen dem All-on-4-Konzept und konventionellen Implantatversorgungen liegt in der Anzahl und Positionierung der Implantate. Während bei klassischen vollständigen Implantatversorgungen abhängig von der individuellen Situation beispielsweise 6 oder 8 Implantate vertikal im Kiefer eingesetzt werden können, basiert das All-on-4-Konzept auf vier strategisch positionierten Implantaten. Dabei werden die vorderen Implantate in der Regel relativ gerade eingesetzt, während die hinteren Implantate häufig in einem Winkel von etwa 30 bis 45 Grad positioniert werden. Durch diese schräge Positionierung kann vorhandener Knochen besser genutzt und der Kontakt zu anatomischen Bereichen wie Kieferhöhlen oder Nervenkanälen gezielt berücksichtigt werden.
Nach dem chirurgischen Eingriff wird zunächst eine provisorische festsitzende Versorgung eingesetzt, sofern die klinischen Voraussetzungen dies erlauben. Während der anschließenden Einheilphase verbinden sich die Implantate mit dem Kieferknochen. Nach ungefähr 3 Monaten beziehungsweise nach ausreichender Osseointegration kann die definitive, individuell angefertigte prothetische Versorgung eingesetzt werden. Der genaue Zeitpunkt hängt von Knochenqualität, Primärstabilität der Implantate, Heilungsverlauf und individueller Behandlungsplanung ab.